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Natürliche Divergenz der Synchrotronstrahlung

An einem Speicherring kann bei der Synchrotronstrahlung grundsätzlich zwischen der parallel und der senkrecht zur Ringebene liegenden Winkelverteilung unterschieden werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von horizontaler und vertikaler Verteilung.
Der maximale Emissionswinkel tex2html_wrap_inline3215 , der von einem relativistischen Elektron abgestrahlten Synchrotronstrahlung kann mit Hilfe einer Lorentztransformation des Abstrahlfeldes eines Hertzschen Dipols abgeschätzt werden [Wil92]:

  equation99

Dies entspricht bei einer Energie von 2.3 GeV einem halben Öffnungswinkel von 0.22 mrad.
Die Elektronen bewegen sich horizontal, zumindest im betrachteten Abstrahlbereich, auf einer Kreisbahn. Geht man von einem idealen Elektronenstrahl aus, ohne räumliche Ausdehnung und Abweichungen von der Idealbahn, so wird die Ringebene gleichmäßig ausgeleuchtet. Der horizontale Öffnungswinkel tex2html_wrap_inline3217 wird im wesentlichen durch die horizontale Blende bestimmt, mit der ein Kreissegment ausgewählt wird. Hinter der Blende müßte eine Rechteckverteilung festzustellen sein.
Für die vertikale Richtung ergibt sich hingegen ein Abstrahlungsprofil, das sich mit der Schwingergleichung gif berechnen läßt. Zu beachten ist hierbei, daß die Winkelverteilung energieabhängig ist. Höherenergetische Strahlung ist stärker gebündelt. Durch eine vertikale Blende werden die Ausläufer der Winkelverteilung abgeschnitten. Im Gegensatz zu einer horizontalen Blende kann somit nicht nur die Intensität sondern auch die spektrale Verteilung der Synchrotronstrahlung beeinflußt werden.

Vertikale Divergenz

Nach der Schwingergleichung gif ergibt sich eine energieabhängige vertikale Winkelverteilung der Synchrotronstrahlung. Die Winkelverteilung wird durch die Besselfunktionen tex2html_wrap_inline3219 und tex2html_wrap_inline3221 bestimmt. Für die senkrechte Polarisationrichtung geht die Intensität bei tex2html_wrap_inline3209 auf Null zurück.
Bei der Betrachtung der Gesamtintensität kommt man für Energiewerte oberhalb des Bereichs um die kritische Energie zu folgender Näherungsformel [Kun78][Jac75]:

eqnarray115

Für sehr kleine Energien ergibt sich dagegen:

eqnarray123

tex2html_wrap_inline3225 ist hierbei jeweils der vertikale Emissionswinkel, bei dem die Intensität auf 1/e abgefallen ist. Der Öffnungswinkel für den Fall tex2html_wrap_inline3227 ist größer als der mit Gleichung gif abgeschätzte Winkel. Bei den kleinsten verwendeten Energien im Bereich knapp unterhalb der kritischen Energie liegt der vertikale Emissionswinkel mit tex2html_wrap_inline3229 jedoch im Rahmen dieser Abschätzung [Jac75].
Je höher die Energie der Strahlung ist, desto kleiner ist der Öffnungswinkel. Somit kann durch eine vertikale Blende die spektrale Verteilung der Synchrotronstrahlung beeinflußt werden. Wählt man eine kleine Blende, wird der niederenergetische Teil des Spektrums stärker ausgeblendet. Hat die Blende aber zum Beispiel einen vertikalen Versatz, wird dies in erster Linie den höherenergetischen Anteil des Spektrums abschwächen.

Horizontale Divergenz

Die horizontale Winkelverteilung der betrachteten Synchrotronstrahlung entspricht dem Anteil an der Gesamtstrahlung, der die horizontale Eintrittsblende passiert. Geht man von einer Kreisbahn aus, so ist der Anteil tex2html_wrap_inline3231 durch den Öffnungswinkel der Blende gegeben, der durch die Blendenbreite und den Abstand von der Kreisbahn bestimmt wird. So wird durch die horizontale Eintrittsblende am SYXRF-Strahlplatz in Bonn ( 1 mm im Abstand von 12 m vom Quellpunkt) ein horizontaler Öffnungswinkel von tex2html_wrap_inline3233 vorgegeben. Das entpricht einem Abschnitt von 5.7 mm auf der Elektronenbahn. Mit Hilfe des Blendensystems vor dem Meßaufbau können beliebig kleinere Öffnungswinkel gewählt werden. Eine Blende von tex2html_wrap_inline3235 in einer Entfernung von 16.3 m vom Quellpunkt des Orbits, entspräche zum Beispiel einen Öffnungswinkel von tex2html_wrap_inline3237 .
Der abgeschätzte Öffnungswinkel des Strahlungsfeldes aus Gleichung gif kann vernachlässigt werden. Dieser ist zwar für einen einzelnen Punkt auf der Kreisbahn größer, betrachtet man jedoch einen Kreisabschnitt, so strahlt das Elektron mit der gesamten Winkelverteilung jeweils einmal in die durch die Blende vorgegebene Richtung ab [Wil92]. Allerdings ergibt sich durch die unterschiedlichen Positionen auf der Kreisbahn eine endliche Breite des Strahls für jede Richtung:

equation144

Diese maximale Breite eines parallelen Strahls beträgt bei den gegebenen Parametern tex2html_wrap_inline3239 und liegt somit weit unterhalb der verwendeten horizontalen Blendenbreiten bzw. untersuchten Probengrößen. Somit kann man bei einer idealen Elektronenbahn in guter Näherung von einer Rechteckverteilung ausgehen. Zudem ist die spektrale Verteilung über die gesamte Blendenbreite gleich.


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Anno Hein
Fri Apr 4 12:36:40 CEST 1997